Zertifizierung im Requirements Engineering

Sie möchten sich als Requirements Engineering Professional zertifizieren lassen (Einstiegszertifizierung)? Sie wissen aber nicht, welche Zertifizierungen es in diesem Bereich überhaupt gibt? Und Sie haben darüber hinaus jede Menge andere Fragen? Nur zu, dieser Artikel bietet eine kleine Hilfestellung für genau diesen Bereich. Aber fangen wir doch einfach gleich an.

Welche Zertifizierungen kommen in Betracht?

Neben Zertifikaten, die das Thema Requirements Engineering selbst im Titel tragen, gibt es auch in angrenzenden Themenfelder Zertifizierungen, die man sich anschauen sollte. Im Folgenden fangen wir mit ersteren an, danach schauen wir etwas über den Tellerrand.

RE Zertifizierungen

Im Einstiegsbereich (häufig auch Foundation Level oder FL genannt) ist die Auswahl gar nicht mal so groß. Im Bereich des Requirements Engineerings gibt es zwei:

  • IREB Certified Professional for Requirements Engineering (CPRE) – Foundation Level
  • REQB Certified Professional for Requirements Engineering (CPRE) – Foundation Level

Das ist jetzt kein Copy und Paste Fehler, beide haben wirklich die gleiche Bezeichnung, lediglich die inhaltlich verantwortliche Organisation hat einen anderen Namen. Das ist recht unglücklich und führt auch so manches Mal zu Verwirrungen. Denn obwohl der Zertifikatsname gleich ist, steht nicht derselbe Lehrplan und die gleiche Prüfungsordnung dahinter. Würde man die Suchmaschine Google entscheiden lassen, wäre es ein klarer Fall: zum IREB CPRE findet man deutlich mehr Informationen im Netz. Auch im Bereich der Materialien für die Prüfungsvorbereitung sieht es ähnlich aus. Unter http://www.certified-re.de , der IREB Website, findet man sogar einen Counter (10.642 (Stand 6.2.2013)), Lehrpläne, Glossar etc.

Auf den Seiten des REQB (http://www.reqb.eu/) hält man sich deutlich bedeckter. Im Syllabus sind die zu prüfenden Kenntnisse beschrieben.

Inhalte beider Zertifizierungen ist das Standard Handwerkszeug des Requirements Engineers für die Erhebung, Dokumentation, Abstimmung und Verwaltung von Anforderungen.

Update: zum 18.01.2017 haben IREB und REQB ihre CPRE Zertifizierungen zusammengelegt!

Benachbarte Bereiche – Business Analysis (BA)

Auch in benachbarten Bereich der Business Analyse gibt es Zertifizierungsmöglichkeiten.  Das Internation Institute of Business Analysis (IIBA) bietet, neben der Certified Business Analysis Professional (CBAP) Zertifizierung für Fortgeschrittene, auch eine Einstiegszertifizierung mit dem Namen Certification of Competency in Business Analysis(CCBA) an. Wer aus dem Bereich Projektmanagement kommt, wird gewisse Ähnlichkeiten zur PMP Zertifizierung des PMI feststellen. Ähnlich wie dort das PMBOK gibt es hier ebenfalls ein Basiswerk, das BABOK (=Business Analysis Body of Knowledge), welches das zentrale Dokument (aka „die Bibel“) darstellt, eine Art ausführlicherer Lehrplan, im Vergleich zum IREB CPRE.

Die wichtigsten Unterschiede zu den CPREs: selbst für die Einstiegszertifizierungsstufe CCBA ist der Nachweis von Berufserfahrung in dem Feld der Business Analyse erforderlich. Und nach der Zertifizierung ist, ähnlich wie beim PMP des PMI, in einem definierten Zeitraum eine bestimmte Anzahl Credits (sog. CDU=Contining Development Unit) nachzuweisen, die man durch Weiterbildungsmaßnahmen (Schulungen, Webinare etc.) erhalten kann.

Benachbarte Bereiche – Die Object Management Group (OMG)

Die Object Managment Group (OMG) ist wahrscheinlich weniger bekannt als ihre Standards, für die sie steht, allen voran der Unified Modelling Language (UML). Der IREB CPRE macht massiven Gebrauch der UML und somit bietet sich für einen RE-Spezialisten mitunter eine Zusatzzertifizierung in diesem Bereich als OMG Certified UML Professional (OCUP) an. Wohlgemerkt als Zusatz, denn RE Kenntnisse werden hier nicht geprüft oder gar vermittelt! Die Zertifizierung wird in den Stufen Fundamental, Intermediate und Advanced angeboten.

Aber nicht nur UML ist relevant, sondern in zunehmenden Maße auch die Business Process Modelling Notation (BPMN), welche ebenfalls ihre Heimat bei der OMG hat (einen kurzen Überblick zu BPMN gibt es hier). Und analog zur Zertifizierung der UML Kentnisse, gibt es auch einen Track für das sogenannte Business Process Modelling (BPM), den OMG Certified Expert of BPM (OCEB), der sich allerdings noch zusätzlich in einen Business und einen Technical Zertifizierungspfad aufteilt.

Diese Zertifizierung bietet sich ebenfalls als Ergänzung zum CPRE (der selbst derzeit kein BPMN thematisiert, hauptsächlich UML verwendet) und als Vertiefung zu den Zertifikaten aus dem Bereich der Business Analyse an. Details zu Inhalten finden sich auf den Seiten der OMG oder auch im OCEB Certification Guide von T. Weilkiens, Ch. Weiss und A. Grass.

Der Vollständigkeit halber erwähnt sei noch eine weitere Alternative zu BPMN und UML zur Modellierung von Abläufen:  ARIS EPK . Die ursrpünglich von der Fa. IDS Scheer geschaffene Modellierungsnotation ist mittlerweile Bestandteil der Software AG, die wiederum Zertifzierung für die Modellierung mit ARIS ausstellt.

Personenzertifizierungen nach ISO 17024:2012

Auch die International Organization for Standardization (ISO) hat sich mit dem Thema Personenzertifizierung auseinandergesetzt und eine Norm dazu veröffentlicht, die ISO/IEC 17024:2012. Hier wird die Unabhängigkeit von Schulungsanbieter und Zertifizierungsstelle als Qualitätsmerkmal gefordert. Beim IREB sind es insgesamt mit dem IREB als dem Bereitsteller der Inhalte drei unabhängige Parteien, beim REQB ist die Lage etwas undurchsichtig.

Die Entscheidung

Für den Zertifizierungseinstieg sah bei mir die Entscheidung folgendermaßen aus: Die geringste Hürde für den Einstieg bei gleichzeitiger Abdeckung des gesuchten Themenfeldes gab es bei den CPREs. Hier wiederum ist es der IREB CPRE, für den man am meisten Lernmaterialien, Bücher etc. findet. Eine Trennung von Schulungsanbieter und Zertifizierungsstelle nach ISO 17024 ist klar dokumentiert. Hat man mit dem Fraunhofer IESE (re-wissen.de) oder der Gesellschaft für Informatik (GI) zu tun, ist ebenfalls die IREB Variante die Präferenz.

Der CCBA bzw. der CBAP wären die nächste Stufe, parallel zu einer möglichen IREB Advanced Level Zertifizierung. Und wer möchte kann sich in Detailbereichen noch den OMG Zertifizierungen widmen.

Nachtrag: Am 20.8.2015 unterzeichneten IREB und IIBA ein Memorandum of Understanding.

Fortsetzung folgt

Mit der Wahl des IREB CPRE FL soll es im zweiten Teil nun um die folgenden Fragen gehen:

  • Muss ich eine Schulung vorher besuchen? (Voraussetzungen für die Zertifizierung)
  • Was sind die Inhalte? Was sind gute Hilfsmittel für die Vorbereitung?
  • Was kostet die Zertifizierung?
  • Wo kann ich die Prüfung machen?
  • Wie sieht die Prüfung aus?
  • Wie geht es danach weiter?
  • Wo finde ich mehr Infos?

Links

Christoph Oemig

Christoph Oemig

studierte Medieninformatik mit dem Schwerpunkt Mensch-Computer Interaktion und Betriebswirtschaft in Wedel und Furtwangen. Er ist IREB Certified Professional for Requirements Engineering (CPRE), IIBA Certfied Business Analysis Professional (CBAP), UXQB Certified Professional for Usability and User Experience (CPUX) und gestaltet als Lead Business Analyst bei der Deutschen Bank die anforderungstechnischen Belange im Bereich Cash und Selbstbedienung. Er ist Mitglied der Fachgruppe Requirements Engineering der Gesellschaft für Informatik (GI) sowie des Berufsverbandes der Deutschen Usability und User Experience Professionals (German UPA) und regelmäßig Referent auf Tagungen und Konferenzen zu Themen des Requirements Engineerings, der Business Analyse sowie dem Usability Engineering.
Christoph Oemig

Ein Gedanke zu “Zertifizierung im Requirements Engineering

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